PlayStation-Erfinder sieht das Ende klassischer Videospiele kommen – KI könnte alles verändern
Ausgerechnet der Mann, der die PlayStation zu einer der erfolgreichsten Konsolenmarken der Welt gemacht hat, stellt die Zukunft klassischer Videospiele infrage. Ken Kutaragi, vielen Spielern als Vater der PlayStation bekannt, rechnet mit einem technologischen Umbruch, der die gesamte Unterhaltungsindustrie grundlegend verändern könnte.
Im Mittelpunkt seiner Zukunftsvision steht künstliche Intelligenz. Nach seiner Einschätzung wird diese Technologie künftig weit mehr können, als Entwickler bei der Gestaltung ihrer Spiele zu unterstützen. Statt fertige virtuelle Welten lediglich abzuspielen, könnten Computer eines Tages vollkommen neue Erlebnisse erzeugen, die unmittelbar aus den Vorstellungen ihrer Nutzer entstehen.
KI könnte bereits 2028 oder 2029 einen entscheidenden Durchbruch erreichen
Während einer Podiumsdiskussion an einer japanischen Universität sprach Kutaragi über die rasanten Fortschritte bei der KI-gestützten Erzeugung von Bildern, Videos und Musik.
Seiner Ansicht nach könnte die Technologie bereits 2028 oder 2029 so weit fortgeschritten sein, dass entsprechende Inhalte in Echtzeit mit einer Geschwindigkeit berechnet werden, die mit heutigen Spielkonsolen vergleichbar ist.
Damit wären völlig neue Formen digitaler Unterhaltung denkbar. Statt ausschließlich auf handgefertigte Spielwelten, feste Missionen und vorprogrammierte Ereignisse zurückzugreifen, könnten Nutzer eine Umgebung erleben, die sich während der Nutzung ständig weiterentwickelt.
Eine solche Technologie könnte beispielsweise ermöglichen, Schauplätze, Situationen oder Charaktere unmittelbar durch eigene Ideen zu beeinflussen. Auch Geschichten müssten dann nicht zwangsläufig einem zuvor festgelegten Ablauf folgen.
Allerdings handelt es sich dabei um mögliche Anwendungen dieser Technologie, nicht um konkrete Produkte, die Kutaragi bereits angekündigt hätte.
Kutaragi sieht die Gaming-Branche nicht mehr als technologischen Vorreiter
Seine Aussagen gehen allerdings noch weiter. Kutaragi ist der Meinung, dass die Videospielindustrie einen Teil ihrer früheren Innovationskraft verloren hat.
Zur Zeit der ersten PlayStation machten Entwickler innerhalb weniger Jahre gewaltige technische Fortschritte. Der Wechsel von zweidimensionalen Spielen zu vollständig dreidimensionalen Welten veränderte das Medium nachhaltig.
Als Beispiele für diese Entwicklung verweist Kutaragi auf frühe 3D-Kampfspiele wie Virtua Fighter und Battle Arena Toshinden. Beide Titel verdeutlichten seinerzeit, welche neuen Möglichkeiten moderne Grafiktechnologie eröffnete.
Heute arbeiten dagegen teilweise riesige Entwicklerteams über viele Jahre an einzelnen Produktionen. Obwohl Budgets und technische Anforderungen erheblich gestiegen sind, fallen die sichtbaren Fortschritte zwischen den Generationen seiner Auffassung nach vergleichsweise kleiner aus.
Während klassische Spieleentwicklung immer komplexer wird, sieht Kutaragi bei künstlicher Intelligenz eine deutlich schnellere technologische Entwicklung.
Könnten unsere Vorstellungen irgendwann selbst zu Spielen werden?
Die wohl ungewöhnlichste seiner Überlegungen betrifft die Art und Weise, wie Menschen künftig digitale Inhalte erleben.
Kutaragi geht davon aus, dass die Grenzen zwischen Videospielen, Kommunikation und persönlicher Vorstellungskraft zunehmend verschwimmen könnten.
Wer eine bestimmte Umgebung, Situation oder Geschichte erleben möchte, könnte diese möglicherweise mithilfe einer KI unmittelbar entstehen lassen. Unterhaltung wäre dann nicht länger ausschließlich ein fertiges Produkt, das von Entwicklern erstellt und anschließend verkauft wird.
Vielmehr könnten Nutzer selbst zum Ausgangspunkt eines individuellen Erlebnisses werden, ohne dafür programmieren oder aufwendige Entwicklungswerkzeuge beherrschen zu müssen.
In einem solchen Szenario wäre sogar denkbar, dass der Begriff Videospiel irgendwann nicht mehr ausreicht, um diese Form digitaler Unterhaltung zu beschreiben.
Auch wirtschaftlich erwartet der PlayStation-Vater gewaltige Veränderungen
Kutaragi rechnet nicht nur mit technischen Neuerungen, sondern auch mit einer grundlegenden Veränderung des Unterhaltungsmarktes.
Während er den gegenwärtigen weltweiten Spielemarkt mit mehr als 30 Billionen Yen beziffert, hält er langfristig eine wesentlich größere Industrie für vorstellbar. In seiner Zukunftsvision nennt er sogar eine Größenordnung von 3.000 Billionen Yen.
Diese Zahl beschreibt allerdings keine belastbare Marktprognose. Sie verdeutlicht vielmehr, welches wirtschaftliche Potenzial Kutaragi einer künftigen, weit über klassische Videospiele hinausgehenden Unterhaltungsform zutraut.
Eine spannende Vision – aber noch lange keine beschlossene Zukunft
Ob künstliche Intelligenz klassische Videospiele tatsächlich ersetzen könnte, ist völlig offen.
Schließlich besteht ein gutes Spiel nicht ausschließlich aus beeindruckender Grafik oder einer möglichst großen Spielwelt. Durchdachtes Spieldesign, präzise Steuerung, kreative Ideen und sorgfältig entwickelte Geschichten spielen eine mindestens ebenso wichtige Rolle.
Auch die technischen Möglichkeiten heutiger KI-Systeme sind von vollständig kontrollierbaren, dauerhaft konsistenten virtuellen Welten noch weit entfernt.
Hinzu kommt, dass Kutaragi inzwischen selbst in der KI-Branche tätig ist. Seine Einschätzungen spiegeln daher auch seine persönlichen Überzeugungen und beruflichen Interessen wider.
Seine Aussagen bleiben dennoch bemerkenswert. Kaum jemand hat die Entwicklung moderner Konsolenspiele so stark mitgeprägt wie der ehemalige Sony-Manager.
Dass ausgerechnet er eine Zukunft beschreibt, in der klassische Videospiele möglicherweise nur noch eine von vielen Formen interaktiver Unterhaltung darstellen, dürfte innerhalb der Gaming-Branche für intensive Diskussionen sorgen.
Quelle: GamesRadar / Aussagen von Ken Kutaragi
