The Witcher IV: CD Projekt RED äußert sich zum Wechsel zur Unreal Engine 5

Mit The Witcher IV beginnt für CD Projekt RED nicht nur eine neue Ära innerhalb der beliebten Rollenspielreihe. Auch technisch schlägt das polnische Studio einen völlig neuen Weg ein. Statt wie bei The Witcher 3: Wild Hunt oder Cyberpunk 2077 auf die hauseigene REDengine zu setzen, entsteht das kommende Rollenspiel mit der Unreal Engine 5.

CD Projekt REDs Co-CEO Michał Nowakowski hat nun noch einmal ausführlicher erklärt, warum sich das Studio zu diesem grundlegenden Technologiewechsel entschieden hat. Einer der wichtigsten Gründe: Die Entwickler wollen künftig deutlich mehr Zeit in die eigentliche Entwicklung ihrer Spiele investieren und weniger Ressourcen dafür aufwenden, grundlegende technische Probleme einer eigenen Engine zu lösen.

The Matrix Awakens brachte CD Projekt RED ins Grübeln

Ein entscheidender Moment für CD Projekt RED war laut Nowakowski die Veröffentlichung von The Matrix Awakens. Epic Games hatte die beeindruckende Tech-Demo Ende 2021 veröffentlicht, um zu demonstrieren, welche Möglichkeiten die Unreal Engine 5 insbesondere bei großen, detaillierten Spielwelten bietet.

Intern stellte sich CD Projekt RED daraufhin die Frage, ob die Unreal Engine inzwischen weit genug entwickelt sei, um ein Spiel mit dem Umfang und den Anforderungen eines typischen CD-Projekt-RED-Titels zu stemmen.

Die damalige Antwort fiel allerdings zunächst negativ aus. Nach Einschätzung des Studios war die Engine in ihrem damaligen Zustand noch nicht ohne Weiteres dafür geeignet, genau die Art von riesigen und komplexen Open-World-Spielen zu entwickeln, für die CD Projekt RED bekannt ist.

Enge Zusammenarbeit mit Epic Games machte den Wechsel möglich

Statt die Unreal Engine deshalb abzuschreiben, entschied sich CD Projekt RED für einen anderen Weg. Das Studio begann eine enge technologische Zusammenarbeit mit Epic Games. Gemeinsam sollten genau jene Bereiche der Unreal Engine verbessert und angepasst werden, die für besonders umfangreiche Open-World-Projekte benötigt werden.

Die Partnerschaft entwickelte sich schließlich zu einem entscheidenden Faktor für den Wechsel. Anstatt sämtliche grundlegenden Technologien weiterhin selbst entwickeln und pflegen zu müssen, kann CD Projekt RED nun auf das technische Fundament der Unreal Engine 5 zurückgreifen und dieses gezielt um Funktionen erweitern, die für die eigenen Spiele notwendig sind.

Geschichten statt Engine-Probleme sollen im Mittelpunkt stehen

Nowakowski macht deutlich, dass CD Projekt RED sich selbst in erster Linie als Entwickler von Spielen und Geschichten versteht – und nicht als Unternehmen, dessen Hauptaufgabe darin besteht, eine komplette eigene Engine-Technologie von Grund auf zu entwickeln.

Natürlich bleibe leistungsfähige Technik weiterhin unverzichtbar. Schließlich könne das Studio seine ambitionierten Geschichten und Spielwelten nur dann umsetzen, wenn auch das technische Fundament dazu passe. Der entscheidende Unterschied bestehe nun jedoch darin, dass CD Projekt RED nicht mehr sämtliche Grundlagen selbst erschaffen müsse.

Stattdessen können sich die Entwickler darauf konzentrieren, einzelne Technologien und Werkzeuge innerhalb der Unreal Engine so anzupassen, dass sie optimal zu den eigenen Anforderungen passen. Gerade diese vergleichsweise gezielten Veränderungen könnten am Ende einen großen Unterschied bei der Spieleentwicklung machen.

Eigene Engine oder Unreal Engine? Beide Wege haben Vorteile

Grundsätzlich gibt es in der Spielebranche unterschiedliche Philosophien. Zahlreiche Entwickler setzen mittlerweile auf etablierte Lösungen wie Unreal Engine oder Unity und sparen sich damit die enorme Entwicklung und Pflege einer eigenen Technologie.

Andere Studios bevorzugen dagegen weiterhin eine proprietäre Engine, da sie dadurch wesentlich mehr Kontrolle über sämtliche technischen Bereiche ihrer Spiele besitzen.

Ein bekanntes Beispiel dafür ist Capcom. Der japanische Publisher setzt seit Resident Evil 7 aus dem Jahr 2017 auf seine eigene RE Engine. Die Technologie kommt auch Jahre später weiterhin bei zahlreichen großen Produktionen zum Einsatz, darunter Spiele wie Monster Hunter Wilds, Pragmata oder Onimusha: Way of the Sword.

Unreal Engine 5 soll auch zukünftige Spiele beschleunigen

Für CD Projekt RED geht es beim Wechsel allerdings nicht ausschließlich um The Witcher 4. Die Investitionen in die Unreal Engine 5 sollen langfristig auch kommenden Projekten zugutekommen.

Jan Hermanowicz, Engineering Production Manager bei The Witcher 4, hatte bereits erklärt, dass speziell auf die Anforderungen des Studios zugeschnittene Technologien und Produktionsabläufe die Entwicklung zukünftiger Titel deutlich vereinfachen könnten.

 

Je besser die Tools und Pipelines auf die Art von Spielen abgestimmt seien, die CD Projekt RED entwickelt, desto effizienter könne das Team letztlich arbeiten. Das könnte insbesondere deshalb wichtig werden, weil das Unternehmen inzwischen mehrere große Projekte parallel entwickelt.

CD Projekt RED arbeitet inzwischen an mehreren Großprojekten

Neben The Witcher 4 befinden sich bei CD Projekt RED inzwischen weitere Produktionen in unterschiedlichen Entwicklungsphasen. Dazu gehört unter anderem der Nachfolger zu Cyberpunk 2077, der lange unter dem Projektnamen Orion geführt wurde und inzwischen die Vorproduktionsphase erreicht hat.

Eine gemeinsame technische Basis könnte dem Studio langfristig dabei helfen, Technologien, Werkzeuge und Erfahrungen zwischen mehreren Teams und Projekten leichter auszutauschen.

The Witcher 4 soll die neue Technologie voll ausnutzen

Wie weit CD Projekt RED und Epic Games mit ihrer Zusammenarbeit bereits gekommen sind, zeigte sich unter anderem bei der 2025 präsentierten Unreal-Engine-5-Tech-Demo zu The Witcher 4. Dabei demonstrierten die Unternehmen Technologien für große und detaillierte Open Worlds, darunter verbesserte Streaming-Verfahren, Vegetationsdarstellung, Charakteranimationen und große dynamische Menschenmengen.

Die Präsentation lief auf einer PlayStation 5 mit 60 Bildern pro Sekunde und sollte vor allem zeigen, welches technische Fundament für die kommende Witcher-Saga geschaffen wird. Bei dem gezeigten Material handelte es sich ausdrücklich nicht um finales Gameplay aus dem eigentlichen Spiel.

Einen konkreten Veröffentlichungstermin für The Witcher 4 gibt es weiterhin nicht. Fest steht allerdings schon jetzt, dass CD Projekt RED mit dem Wechsel zur Unreal Engine 5 wesentlich mehr vorhat, als lediglich eine externe Engine zu lizenzieren. Gemeinsam mit Epic Games arbeitet das Studio daran, die Technologie gezielt auf seine eigenen riesigen Open Worlds zuzuschneiden – und damit zugleich ein technisches Fundament für mehrere kommende Spiele zu schaffen.

Quelle: Pressemeldung 

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