„AAA-Spiele sind langweilig“ – The Last of Us-Director kritisiert God of War Laufey

Große Budgets, spektakuläre Grafik und gewaltige Entwicklerteams reichen offenbar nicht aus, um Bruce Straley noch zu begeistern. Der ehemalige Naughty-Dog-Director hinter Spielen wie The Last of Us und Uncharted 4: A Thief’s End übt deutliche Kritik an modernen AAA-Produktionen. Als Beispiel nennt er ausgerechnet Sonys kommendes God of War Laufey.

Bruce Straley findet moderne AAA-Spiele zunehmend langweilig

Bruce Straley kennt die Entwicklung großer Blockbuster-Spiele aus eigener Erfahrung. Während seiner Zeit bei Naughty Dog war er unter anderem als Game Director an The Last of Us und Uncharted 4: A Thief’s End beteiligt und arbeitete damit selbst an einigen der aufwendigsten Produktionen ihrer Zeit.

In einem aktuellen Gespräch mit dem Edge Magazine äußerte sich Straley nun kritisch über die Entwicklung, die der AAA-Markt seiner Ansicht nach genommen hat. Ihm gehe es dabei insbesondere um die spielerischen Möglichkeiten und Erfahrungen, die viele aktuelle Großproduktionen bieten.

Diese empfindet er mittlerweile als zunehmend langweilig. Nach seiner Einschätzung bleibt innerhalb großer AAA-Produktionen kaum noch Raum, um wirklich frische oder ungewöhnliche Ideen auszuprobieren. Die enormen Dimensionen solcher Projekte scheinen aus seiner Sicht gleichzeitig dafür zu sorgen, dass Entwickler weniger Risiken eingehen können.

God of War Laufey beeindruckt Straley – allerdings vor allem optisch

Besonders interessant wird Straleys Kritik durch das Beispiel, das er selbst nennt. Dabei handelt es sich um God of War Laufey, das kommende große Projekt von Santa Monica Studio.

Handwerklich zeigt sich Straley von dem Spiel durchaus beeindruckt. Die Qualität der bislang gezeigten Bilder und der enorme Aufwand hinter der Produktion hätten selbst ihn beeindruckt – obwohl er aus eigener Erfahrung genau weiß, wie viel Arbeit in Spielen dieser Größenordnung steckt.

Jeder einzelne Bildbereich von God of War Laufey wirke auf ihn technisch und visuell außergewöhnlich aufwendig. Straley betont dabei ausdrücklich die enorme Arbeit und das Können der Entwickler, die in jedem einzelnen Frame stecken.

Seine Begeisterung lässt allerdings deutlich nach, sobald er auf das eigentliche Gameplay blickt. Was Spieler in God of War Laufey tatsächlich tun werden, löse bei ihm bislang keine vergleichbare Begeisterung aus.

Kritik richtet sich nicht gegen Santa Monica Studio

Straley macht gleichzeitig deutlich, dass seine Aussagen keineswegs als persönlicher Angriff auf das Team hinter God of War verstanden werden sollen. Seine Kritik richtet sich vielmehr gegen die generelle Entwicklung innerhalb des AAA-Segments.

Seiner Ansicht nach fehlt großen Produktionen zunehmend die Möglichkeit, neue und innovative Konzepte einzubringen. Gerade bei Spielen mit riesigen Budgets und entsprechend hohen wirtschaftlichen Erwartungen scheint aus seiner Sicht nur wenig Platz für Experimente zu bleiben.

 

Straley verriet außerdem, dass er selbst noch eine Idee für ein AAA-Spiel im Kopf hat. Allerdings geht er derzeit nicht davon aus, dieses Projekt jemals tatsächlich umzusetzen.

Nach Naughty Dog folgte ein kompletter Neuanfang

Bruce Straley verließ Naughty Dog bereits 2017 nach der Veröffentlichung von Uncharted 4: A Thief’s End. Damit endete für ihn eine lange Zeit bei einem der bekanntesten PlayStation-Studios.

Später erklärte Straley, dass er nach neuen kreativen Herausforderungen gesucht habe. Statt weiterhin für ein anderes Unternehmen an Marken und Charakteren zu arbeiten, wollte er eigene Ideen verwirklichen und ein Team nach seinen Vorstellungen aufbauen.

Dabei war ihm durchaus bewusst, dass dieser Schritt auch scheitern könnte. Für Straley spielte jedoch eine entscheidende Rolle, dass ein möglicher Erfolg oder Misserfolg anschließend auf seinen eigenen Entscheidungen basieren würde.

Wildflower Interactive soll bewusst andere Spiele entwickeln

2022 gründete Straley schließlich sein eigenes Entwicklerstudio Wildflower Interactive. Ausgangspunkt war eine Spielidee, die ihn nach eigener Aussage nicht mehr losließ. Um diese tatsächlich umsetzen zu können, musste zunächst ein eigenes Team und letztlich ein komplettes Studio entstehen.

Bei Wildflower arbeitet Straley als Studio Director gemeinsam mit weiteren Entwicklern aus verschiedenen Bereichen. Zum Team gehören unter anderem Wouter Gort im Bereich Art, Liz Fiacco im Design sowie Ole Ciliox im Programming.

Das erste Spiel des Studios trägt den Namen Coven of the Chicken Foot und wurde im vergangenen Jahr im Rahmen der The Game Awards vorgestellt.

Coven of the Chicken Foot schlägt einen anderen Weg ein

Mit Coven of the Chicken Foot scheint Straley genau jene kreative Freiheit nutzen zu wollen, die er bei großen AAA-Produktionen vermisst. Das Projekt fällt deutlich kleiner aus als seine früheren Arbeiten bei Naughty Dog und setzt auf einen ungewöhnlicheren Ansatz.

Im Mittelpunkt steht eine alte Hexe mit auffälligen Hühnerfüßen, die sich gemeinsam mit einer mysteriösen Kreatur durch eine ungewöhnliche Welt bewegt. Statt eines klassischen übermächtigen Helden setzt Wildflower Interactive damit bewusst auf eine andere Art von Hauptfigur und Spielerfahrung.

Das Spiel befindet sich derzeit für den PC in Entwicklung. Einen konkreten Veröffentlichungstermin gibt es bislang nicht.

Vom AAA-Blockbuster zu kleineren kreativen Projekten

Straleys Aussagen sind vor allem deshalb bemerkenswert, weil er selbst viele Jahre an genau den großen und aufwendig inszenierten Spielen gearbeitet hat, die den heutigen AAA-Markt maßgeblich geprägt haben.

Mit Wildflower Interactive verfolgt er inzwischen einen deutlich anderen Ansatz und konzentriert sich auf kleinere Projekte, bei denen ungewöhnliche Ideen stärker im Mittelpunkt stehen können.

Ob God of War Laufey Straleys Befürchtungen am Ende tatsächlich bestätigt, bleibt natürlich abzuwarten. Seine Aussagen beziehen sich auf das bislang öffentlich gezeigte Material und nicht auf das fertige Spiel. Klar ist jedoch: Technisch und optisch hat Santa Monica Studio den ehemaligen Naughty-Dog-Director bereits beeindruckt – beim Gameplay ist der Funke bei ihm bislang dagegen noch nicht übergesprungen.

Quelle: Gamingbold

Werbung

Bleib auf dem Laufenden

Noch mehr News

Leave a reply

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein