Bei Xbox hat sich unter der neuen Führung von Asha Sharma einiges verändert. Nach schwierigen Monaten, kontroversen Entscheidungen und umfangreichen Entlassungen will die Xbox-Chefin das Unternehmen langfristig wieder auf Kurs bringen. Ein wichtiger Bestandteil ihrer Strategie ist dabei eine Unternehmenskultur, in der Probleme ebenso offen angesprochen werden wie Erfolge.
Ein aktuelles Porträt des Wall Street Journal gibt weitere Einblicke in Sharmas Führungsstil und zeigt, wie deutlich sich dieser von dem ihres Vorgängers Phil Spencer unterscheidet.
Todd Howard lobt Sharmas klare Kommunikation
Unterstützung für diesen Ansatz erhält Sharma unter anderem von Todd Howard. Der Bethesda-Manager hebt insbesondere ihre Fähigkeit hervor, komplizierte Situationen auf die wesentlichen Punkte herunterzubrechen.
Nach Howards Einschätzung gelingt es Sharma besonders gut, klar herauszuarbeiten, wo innerhalb des Unternehmens Probleme bestehen und wo sich gleichzeitig neue Chancen ergeben. Diese direkte Kommunikation scheint zu einem wichtigen Bestandteil ihrer Arbeit an der Spitze von Xbox geworden zu sein.
Deutlich anderer Führungsstil als bei Phil Spencer
Auch Chris Plante, Gründer und Moderator des Podcasts Post Games, sieht einen deutlichen Unterschied zwischen Sharma und dem früheren Xbox-Chef Phil Spencer.
Spencer habe großen Wert darauf gelegt, eine persönliche und freundschaftliche Beziehung zu den Menschen in seinem Umfeld aufzubauen. Laut Plante ging das teilweise so weit, dass Spencer während Meetings gemeinsam mit anderen Videospiele spielte.
Sharma verkörpert offenbar einen deutlich anderen Führungsstil. Der Wechsel sei deshalb durchaus ungewohnt, da sie ihre Rolle praktisch gegensätzlich zu Spencer ausfülle.
Warum Asha Sharma überhaupt Xbox-Chefin wurde
Interessant ist auch Sharmas eigene Erklärung dafür, weshalb sie die Führung von Xbox übernommen hat. Für sie stand offenbar weniger die Frage im Mittelpunkt, ob sie den Job unbedingt haben wollte. Vielmehr wollte sie herausfinden, ob sie der Xbox-Sparte einen besonderen Mehrwert bieten kann.
Dieser Ansatz passt nach eigenen Angaben auch zu ihrem bisherigen Lebensweg. Sharma habe nie einen konkreten Karriereposten verfolgt, den sie unbedingt erreichen wollte. Stattdessen habe sie sich stärker davon leiten lassen, welche Aufgaben sie übernehmen und welche Fähigkeiten sie einsetzen könne.
„Clarity is kindness“ – Klarheit als Führungsprinzip
Ein zentraler Bestandteil von Sharmas langfristiger Strategie ist eine offenere Kommunikation innerhalb der verschiedenen Xbox-Bereiche.
Bei einem Town-Hall-Meeting in den Büros des Minecraft-Entwicklers Mojang erklärte sie sinngemäß, dass erfolgreiche Unternehmen normalerweise kein Problem damit hätten, positive Entwicklungen und Erfolge miteinander zu teilen. Gleichzeitig müssten Unternehmen jedoch ebenfalls lernen, schwierige Themen und unangenehme Realitäten deutlich anzusprechen.
Dahinter steht eines ihrer wichtigsten Führungsprinzipien:
„Clarity is kindness“ – Klarheit ist Freundlichkeit.
Für Sharma bedeutet Transparenz damit offenbar nicht nur, gute Nachrichten innerhalb des Unternehmens zu verbreiten. Auch Probleme, Fehlentwicklungen und schlechte Nachrichten sollen möglichst offen kommuniziert werden.
Die „Four C’s“ sollen Xbox langfristig neu ausrichten
Dieser Ansatz zeigte sich bereits in internen Mitteilungen aus dem Sommer. Darin beschrieb Sharma die zukünftige Strategie von Xbox anhand von vier zentralen Bereichen, den sogenannten „Four C’s“:
Core, Content, Creation und Connection.
Diese vier Säulen sollen die zukünftige Ausrichtung des Xbox-Geschäfts bestimmen und sind wiederum in verschiedene Entwicklungsstufen unterteilt. Ein wichtiger Bestandteil davon besteht darin, erfolgreiche Bereiche gezielt auszubauen und stärker zu skalieren.
Für die Geschäftsjahre FY28 und FY29 sollen die „Four C’s“ sowie die dazugehörige Roadmap zunehmend in Geschäftsbereiche überführt werden, die sowohl einen spürbaren Mehrwert für Spieler schaffen als auch das Umsatzwachstum beschleunigen.
Xbox formuliert ambitionierte Ziele bis 2030
Sharma denkt dabei deutlich über die kommenden Jahre hinaus.
Bis 2030 soll Xbox nach ihren Vorstellungen bereits die Hälfte eines langfristig gesetzten Ziels bei den täglich aktiven Spielern erreicht haben. Gleichzeitig strebt das Unternehmen ein dauerhaftes zweistelliges Wachstum bei Spielerzahlen und Engagement an.
Darüber hinaus sollen Margen erreicht werden, die innerhalb der Gaming-Branche zur Spitzengruppe gehören.
Damit wird deutlich, dass die aktuelle Umstrukturierung von Xbox nicht lediglich kurzfristige Kostenmaßnahmen umfasst. Die gesamte Gaming-Sparte soll offenbar über mehrere Jahre hinweg neu ausgerichtet und stärker auf profitable sowie wachstumsfähige Geschäftsbereiche konzentriert werden.
Tausende Stellen bei Xbox betroffen
Die neue Strategie hat allerdings bereits erhebliche Konsequenzen für die Belegschaft.
Im Zuge der umfangreichen Umstrukturierungen wurden bei Xbox zuletzt rund 1.600 Stellen gestrichen. Sharma bestätigte darüber hinaus, dass weitere 1.600 Arbeitsplätze wegfallen sollen.
Damit könnte sich die Gesamtzahl der Stellenstreichungen bis zum Ende des laufenden Geschäftsjahres auf ungefähr 3.200 Mitarbeiter belaufen.
Nach den Entlassungen äußerte sich Sharma auch zu den Gründen für die schwierige Situation. Xbox habe seine Ressourcen in der Vergangenheit auf zu viele unterschiedliche Bereiche verteilt und sich dadurch zu stark verzettelt.
Statt sich konsequent auf das Kerngeschäft zu konzentrieren, habe das Unternehmen zahlreiche Projekte und strategische Wetten verfolgt, von denen sich einige nicht wie erhofft ausgezahlt hätten.
Xbox soll sich wieder stärker auf funktionierende Bereiche konzentrieren
Die Aussagen vermitteln damit ein recht klares Bild davon, welchen Kurs Sharma künftig verfolgen möchte: Xbox soll transparenter mit Problemen umgehen, erfolgreiche Geschäftsbereiche konsequenter ausbauen und gleichzeitig Projekte hinterfragen, die keinen ausreichenden Mehrwert für Spieler oder das Unternehmen liefern.
Nach den massiven Stellenstreichungen und den zahlreichen Veränderungen innerhalb der Xbox-Sparte steht die neue Führung allerdings vor einer schwierigen Aufgabe. Sharma möchte diesen Umbau offenbar nicht mit beschönigenden Botschaften begleiten, sondern Probleme innerhalb des Unternehmens offen benennen.
Ob dieser deutlich direktere Führungsstil Xbox langfristig wieder stabilisieren und auf Wachstumskurs bringen kann, dürfte sich erst in den kommenden Jahren zeigen.

