Take-Two-Chef Strauss Zelnick sieht kaum noch Vorteile in physischen Spielen. GTA 6 setzt auf digitale Downloads statt klassischer Disc-Versionen.
GTA 6 ohne Disc: Take-Two-Chef zweifelt an physischen Spielen
Physische Spiele verlieren weiter an Bedeutung: Take-Two-CEO Strauss Zelnick hat sich zur Zukunft klassischer Disc-Versionen geäußert und sieht gerade bei großen Spielen nur noch wenige Vorteile. Auch GTA 6 steht dabei sinnbildlich für den zunehmenden Wechsel hin zum digitalen Vertrieb.
Für Sammler und Spieler, die ihre Games weiterhin gerne im Regal stehen haben, dürfte diese Entwicklung allerdings weniger erfreulich sein.
Über 90 Prozent des Take-Two-Geschäfts sind bereits digital
Dass Take-Two verstärkt auf digitale Verkäufe setzt, kommt nicht überraschend. Mittlerweile werden weit über 90 Prozent des Geschäfts digital abgewickelt. Downloads sind für das Unternehmen damit längst der wichtigste Vertriebsweg.
Zelnick verweist dabei auch auf das Nutzungsverhalten moderner Spieler. Viele aktuelle Spiele benötigen ohnehin eine Internetverbindung, Updates oder eine Online-Registrierung. Wer seine Konsole bereits mit dem Internet verbunden hat, könne ein Spiel dementsprechend auch direkt herunterladen.
Aus Sicht des Take-Two-Chefs steht dabei insbesondere der Komfort im Vordergrund.
GTA 6 setzt auf Download statt klassischer Disc
Besonders sichtbar wird der Wandel bei Grand Theft Auto VI. Der neue Teil der erfolgreichen Rockstar-Reihe setzt deutlich stärker auf den digitalen Vertrieb als seine Vorgänger.
Auch Versionen, die im Einzelhandel angeboten werden, können anstelle einer klassischen Spieldisc lediglich einen Download-Code enthalten. Das eigentliche Spiel wird anschließend über die jeweilige Plattform heruntergeladen.
Damit könnte GTA 6 zu einem der prominentesten Beispiele für den zunehmenden Abschied von physischen Spielen werden.
Rockstar-Spiele waren schon früher zu groß für eine Disc
Die enorme Größe moderner Rockstar-Spiele sorgt allerdings schon seit Jahren für Herausforderungen bei physischen Veröffentlichungen.
Grand Theft Auto V wurde auf der Xbox 360 beispielsweise auf zwei DVDs ausgeliefert. Auf der PlayStation 3 reichte aufgrund der höheren Speicherkapazität der Blu-ray dagegen ein einzelner Datenträger.
Auch Red Dead Redemption 2 benötigte auf der Xbox One mehrere Discs.
Immer größere Spielwelten, hochauflösende Texturen, umfangreiche Sprachdateien und aufwendige Videos sorgen dafür, dass moderne AAA-Spiele immer mehr Speicherplatz beanspruchen.
Warum digitale Spiele für Publisher attraktiv sind
Für Publisher bietet der digitale Vertrieb zahlreiche wirtschaftliche Vorteile. Kosten für die Herstellung von Datenträgern, Verpackungen, Lagerhaltung und Transport können deutlich reduziert werden.
Zusätzlich spielt der Gebrauchtmarkt eine wichtige Rolle.
Eine klassische Spieldisc kann nach dem Durchspielen verkauft, verliehen oder getauscht werden. Bei digitalen Spielen ist dies in der Regel nicht möglich, da die Lizenz direkt mit dem jeweiligen Benutzerkonto verbunden ist.
Bei einem Verkaufserfolg in der Größenordnung von GTA 6 könnte dieser Unterschied für einen Publisher erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen haben.
Digitale Spiele haben für Spieler auch Nachteile
Was für Publisher attraktiv ist, bringt für Spieler allerdings nicht ausschließlich Vorteile.
Digitale Spiele lassen sich bequem kaufen und direkt herunterladen. Gleichzeitig sind sie jedoch an das jeweilige Benutzerkonto und die Plattform gebunden.
Der Weiterverkauf, das Verleihen an Freunde oder der Aufbau einer klassischen Spielesammlung wird dadurch deutlich schwieriger beziehungsweise unmöglich.
Gerade Sammler und Fans physischer Spiele sehen diese Entwicklung daher seit Jahren kritisch.
Physische Spiele sollen nicht komplett verschwinden
Ein vollständiges Ende physischer Veröffentlichungen sieht Strauss Zelnick dennoch nicht zwangsläufig kommen.
Take-Two könnte auch zukünftig einzelne Spiele oder spezielle Editionen weiterhin auf Datenträger anbieten.
Zelnick zieht dabei einen Vergleich zur Musikindustrie. Obwohl Streaming mittlerweile den Markt dominiert, haben Schallplatten weiterhin eine feste Nische unter Sammlern und Liebhabern.
Eine ähnliche Entwicklung wäre auch bei Videospielen denkbar: Standardversionen könnten zunehmend digital erscheinen, während physische Ausgaben verstärkt zu Sammlerprodukten werden.
GTA 6 könnte den digitalen Wandel weiter beschleunigen
Grand Theft Auto VI besitzt aufgrund seiner enormen Popularität eine besondere Bedeutung für die gesamte Spielebranche.
Sollte eine der größten Veröffentlichungen der kommenden Jahre erfolgreich auf klassische Disc-Versionen verzichten, könnten weitere Publisher diesem Beispiel folgen.
Die Spiele-Disc dürfte damit zwar nicht von heute auf morgen verschwinden. Ihre Bedeutung im Massenmarkt könnte in den kommenden Jahren jedoch weiter abnehmen.
Quelle: Windows Central
