Seit dem 22. Februar ist Anthem nun im Handel erhältlich. Der zur E3 im Jahr 2017 von BioWare angekündigte Titel machte bereits im Rahmen der VIP-Demo und der öffentlichen Testphase von sich Reden. Probleme mit den Severn, Performance-Einbrüche und die auf den ersten Blick große Ähnlichkeit mit Destiny sorgten für reichlich Diskussionen.

Wir haben uns bewusst viel Zeit für unseren Test gelassen. Ein Spiel wie Anthem kann man einfach nicht in ein paar Stunden bewerten. Selbst jetzt fällt eine abschließende Wertung schwer, da Anthem sich kontinuierlich durch kostenlose Erweiterungen verändern wird, um damit den Wünschen der Spieler entgegenzukommen. So schloss BioWare es zum Beispiel nicht aus, zukünftig auch den fehlenden PvP-Part noch einzubauen, falls es die Spieler wünschen.

So spielt sich Anthem

Nun aber zum Spiel. Man merkt Anthem sofort die reichliche Erfahrung der Entwickler an, die mit der Mass Effect- und Dragon Age-Reihe im Bereich der Rollenspiele gesammelt wurde. Die Geschichte wird stimmungsvoll durch die Charaktere erzählt, dazu aber später mehr.

Die Story des Online-Action-RPGs Anthem ist grob gesagt eine Art Science-Fantasy. Der Spieler schlüpft in die Rolle eines sogenannten Freelancers, einer Kämpfer-Fraktion, die nach einer großen Niederlage ihren Glanz verloren hat. Längst geht es nicht mehr um Heldentaten in einer von den Göttern unvollendeten Welt, sondern nur um das nackte Überleben.

Dank des Rollenspiel-Charakters agiert der Spieler mit verschiedenen Gruppen, um dort sein Ansehen zu erhöhen. Dies ist nicht nur reine Show, sondern ermöglicht das Freischalten unterschiedlicher Verkaufsstände im Spiel, wo es Baupläne und zusätzliche Ausrüstung gegen gesammelte Ressourcen zu kaufen gibt. Dieser Part klingt spannend, ist aber leider recht flach gehalten. Im Gegensatz zu den anderen Machwerken von BioWare beschränken sich die Dialogmöglichkeiten auf ein Minimum. Die Erzählungen sind dabei zwar durchaus spannend aber eben nicht Spielbeeinflussend.

Nach einer als Tutorial zu verstehenden Anfangsmission stürzt sich der Spieler allein oder mit drei Mitstreitern in das Getümmel der offenen Spielewelt von Anthem. Sehr schön, dass es in den Teams keine Verständigungsprobleme gibt. Die Ziele sind klar definiert und gekennzeichnet. Störend ist derzeit nur das recht frühe und zwangsweise erfolgende Zusammenführen der Spieler, wenn diese sich zu weit voneinander entfernt haben. Gekämpft wird in Javelin-Kampfanzügen, die durch Schubdüsen auch zum fliegen geeignet sind.

Im Verlauf der Handlung schaltet der Spieler diverse High-Tech-Rüstung frei, die alle über unterschiedliche Stärken und Schwächen verfügen. Diese gilt es entsprechend auszurüsten. Optisch gibt es ebenfalls zahllose Möglichkeiten den eigenen Javelin zu individualisieren. Alle gegen Echtgeld (Mikrotransaktionen) erhältlichen kosmetischen Änderungen lassen sich aber auch erspielen.

Damit sind wir nun aber auch bei den Kritikpunkten des Gameplays angekommen. Die Missionen sind alle nach dem gleichen Muster aufgebaut. Bewege dich zu Punkt A, beseitige die Gegner und fertig. Im offenen Spielmodus sieht das Ganze nicht besser aus. Das dringend benötigte Loot ist wenig abwechslungsreich und auch die Gegner ändern sich kaum. Ab diesem Punkt drängt sich wieder der Vergleich mit Destiny auf. Auch hier absolvierte man immer und immer wieder die gleichen Aufträge.

Die Spielzeit der Kampagne beträgt übrigens zwischen 20 und 30 Stunden je nach Spielstil. Danach bleibt euch dann bis zu den ersten kostenlosen Erweiterungen nur der offene Modus. Eine große Schwachstelle im Spielablauf sind die enormen Ladezeiten. Auf unserer Test-Konsole war das Spiel auf einer externen SSD gespeichert und selbst da gestalteten sich die besagten Ladezeiten als exorbitant lang. Was beim Start der Mission noch zu verkraften ist, wird spätestens beim Zusammenführen des Teams zur Geduldsprobe.

Wie sieht die Welt von Anthem aus?

Grafisch hat Anthem ebenfalls viel zu bieten. Die Welt ist wunderschön gestaltet und bietet reichlich Abwechslung. Details, Schatten und Fernsicht erlauben sich zumindest auf der Xbox One X keine Schwächen. Native 4K Grafik und HDR-Unterstützung bei fast immer konstanten 30 Bildern pro Sekunde sorgen für ein sehenswertes Vergnügen . Die normale Xbox One muss sich mit einer nativen Auflösung von 900p bei ebenfalls 30 Bildern pro Sekunde begnügen. Für die Xbox One X hätten wir uns noch einen 1080p-Modus mit 60 Bildern pro Sekunde gewünscht. Dieser kann aber, wenn man BioWare glauben möchte, noch nachgereicht werden.

Der Sound ist eine der großen Stärken von Anthem. Fast schon orchestrale Klänge, die der jeweiligen Situation angepasst sind, verwöhnen das Ohr. Selten lauscht man so gespannt den Klängen in einem Spiel. Ein kleines Meisterwerk!

Fazit

Anthem ist eine interessante Mischung aus Shooter und RPG in einer offenen Science-Fantasy-Welt. Die Story ist gelungen und fesselt den Spieler durch ihre stimmige Erzählung. Spielerisch drängt sich der Vergleich zu Destiny auf, wobei Anthem definitiv die dichtere Geschichte bietet. Derzeit hat Anthem noch mit einigen kleinen Problemen bezüglich der Spielmechanik, wie mangelhaftes Loot, zu kämpfen. Auch die fehlende Abwechslung bei den Missionen und den Gegnern stört den Gesamteindruck. BioWare verspicht jedoch kontinuierlich Nachschub an Inhalten und das kostenlos.

Größter Kritikpunkt sind aber die extremen Ladezeiten des Spiels. Diesbezüglich sollten die Entwickler definitiv noch etwas unternehmen. Optisch gibt es bis auf einen fehlenden Performance-Modus (1080p 60fps) ebenfalls nichts zu meckern. Bei konsequenter Weiterentwicklung steht dem Spiel eine gute Zukunft bevor. Wir sehen Anthem definitiv nicht so schlecht, wie es viele andere Spieler und Testern tun.

 

ÜBERBLICK DER REZENSIONEN
Gameplay
82 %
Spielumfang
80 %
Grafische Umsetzung
88 %
Sound
90 %
Multiplayer
78 %
Spielspaß
80 %

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